Hinter dem Berg aber in der Stadt geschachs, dz ein Pfaff, Ulrich Erckenberger, mit einer Köchin Hauß hielt. Dieselbe hatte einen von Augspurg, der sich bey ihm aufgehalten hatte, mit Gift vergeben, und wolte gern ihres Herren Diener Antonium zur Ehe haben, er mochte aber die Hure nicht: Drumb wolte sie sich an ihm rächen, dz es ihn den Kopf solte kosten. Nu war eine bekante Hexe in die Stadt, die man die Notarien hieß, die hatte ein Kind von Wachs gemacht, und wöllene Stecknadeln getauft, die sie, wenn man noch drey Tage hette gewartet, und sie nicht geholet, hie und dort in der Stadt ausgestreuet hette zu dem Endt, dz eine iede ledige Weibesperson, die eine Nadel aufgehoben hette, und in ihre Haare gebracht, zur Huren hette müßen werden, die aber einen Mann hette, von ihm lauffen hette sollen. Die ward aber von einem Schneider verraten, der ihr Vornehmen gesehen hatte. Als sie nun einkam, ließ jene Pfaffenhure Barbara durch Rath und Hülffe dieser Zäuberin gemeldeten Antonium von Goslar, da er damals war, in vier Stunden des Nachts auf einen Bock durch die Lufft gen Erffurt herführen. Da führte ihn der Bock oben zwischen den Thurnspitzen, auf dem Stift Mariae also hier genandt, dz er mit seinen Füßen an einem Knauffe anstieß, und fuhr drauf bey Pfaff Ulrichen also sanft zum finsteren Kellerloch hinein, das ihm war, wie wenn Himmel und Erde oben auf ihm lägen, und lief ihm aus allen seinen Fingern, und Zeen das Wasser heraus wie Milch. Wie er nun im Keller war, siehe das wischet Barbara auch hinein, erblicket ihn, läuft zu ihrem Herrn hinauf und spricht, Antonius der Bube were im Keller drunten, und hette im Sinne, ihn heimlich zu erwürgen. Herr Ulrich geht auch hinunter, siehet ihn da, und fragt ihn, wie er da hienein were kommen, und was er da machte. Antonius erzehlte ihm, wie es ihm gegangen sey. Der Pfaff berichtet es geschwinde dem Raht der ließ alsobald ers vernahm, den Sonnabend nach Ostern Knecht und Magd holen mitsamt der Notarien und noch zweyen anderen Huren, examinirte sie und ließ Antonium zwar wieder dahin ziehen, die Notarien aber mit Barbara am Freytage nach Cantate auf einem Karrn zur Stadt hinaus führen, und beide lebendig verbrennen, die andere Hur dergleichen, am Freytage nach Petri und Pauli, und die Dritte folgenden Tag auf ewig verweisen.
Aus Zacharias Hogels Chronik, zum Jahr 1549
Neueste Kommentare